Warum baut Steil nicht in Trier?

Hoffnungen liegen jetzt bei den Eberswalder Stadtverordneten

Zu „Angst vor giftigem Cock­tail" im Barnim-Echo vom 23. November:

Da die Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Landwirtschaft am 7. November bezüglich der Müllverbrennungsanlage der Firma Steil wegen nicht vorhan­dener Informationen der Aus­schussmitglieder keine Aussagen bringen konnte, hat Herr Madeja für den 21. November eine Son­dersitzung angesetzt.
Auf die­ser Sondersitzung waren weder der Landrat noch die Firma Steil erschienen, so dass der Ausschuss nur Fragen und Einwän­de der Bürger entgegen nehmen konnte. Eine derartige Missach­tung der Information der Bürger ist mir unbegreiflich. Wird die­ser Kreisausschuss wirklich von den Verantwortungsträgern als politisches Anhängsel betrach­tet, wie es Prof. Eisner ausge­drückt hat?

Die verharmlosenden Aus­sagen des Steil-Geschäftsführers, dass Holz, Papier, Kunst-und Schaumstoffe sowie Gummi verbrannt werden, um Elektro­energie und Dampf zu gewin­nen und dass die Schadstoffkon­zentrationen in den Abgasen so gering, also belanglos sind, entspricht doch keinesfalls dem Sachverhalt.

Herr Loose hat es in seinem Leserbrief auf den Punkt ge­bracht: „Hier soll eine Sonder­müllverbrennungsanlage errich­tet werden, mit einem Standard der weit entfernt ist vom tech­nischen Stand."

Selbst wenn die vom Bundes­immissionsschutzgesetz vorge­schriebenen Grenzwerte für eini­ge Schadstoffe eingehalten wer­den, entstehen viele Giftstoffe, für die es gar keine Emissions­grenzwerte gibt. Dies gilt ins­besondere für Feinstaub (klei­ner 2,5 Mikrometer), der durch Abgasreinigungsanlagen nicht aus den Abgasen entfernt wer­den kann, der für die Gesundheit aber besonders gefährlich ist.

Wenn diese „Energetische Verwertungsanlage" so sauber arbeitet, wie von der Fa. Steil dargestellt, warum sollen dann die 37 000 Tonnen in Trier ge­wonnenen Heizmaterials nach Eberswalde transportiert und nicht vor Ort verwertet werden? Nach den Luftbildaufnahmen ist auch in Trier Platz. Unter­suchungen des Landesumweltamtes Rheinland-Pfalz haben für den Trierer Ortsteil Pfalzel erge­ben, dass die Blei-, Zink- und Cadmiumwerte im Boden 2004 und 2005 stark angestiegen sind und dass die Bleiwerte im Ge­müse 10-fach höher sind als die EU-Lebensmittelverordnung er­laubt. Die Anwohner sollten deshalb kein Gemüse aus dem eigenen Garten verzehren. Un­ter diesen Voraussetzungen ist es wenig wahrscheinlich, eine Be­triebserlaubnis für eine EVA zu bekommen. Andererseits wird es in Trier auch keine Fördermittel geben.

Trotz einer zu erwartenden Gesundheitsgefährdung der Eberswalder Bürger und der um­liegenden Gemeinden sowie der nachhaltigen Vergiftung von Bö­den und Gewässern haben Herr Prüger und Herr Birk keine Vor­urteile gegen die Errichtung der EVA. Das Landesumweltamt, das die Unterlagen prüft, kann nur noch kosmetische Verände­rungen fordern, die Errichtung an diesem Standort kann nur noch politisch verhindert wer­den. Ich hoffe, dass die Stadt­verordneten auf der heutigen Sitzung die Gefährdungen für Eberswalde und die Nachbarge­meinden kritisch beurteilen und abwenden werden.

 

Klaus-Dieter Zwicker / Schorfheide