Zum MOZ-Artikel „Steil-Manager am Donnerstag in Eberswalde“ vom 11.11.2006
Sehr geehrte Damen und Herren,
um Steuern und Arbeitsplätze geht es also. Hoffentlich wird das nicht am Ende
vorgeschoben, um dieses Projekt durchzudrücken. Einige wenige mögliche Arbeitsplätze
können viele bestehende Arbeitsplätze im näheren und mittleren Umfeld der
Anlage gefährden. Besonders sind dabei Unternehmen, die Lebensmittel
produzieren und vertreiben zu nennen. Wie sieht es eigentlich mit den
Arbeitsplätzen im Familiengarten aus, wenn bei "günstigem" Wind die
Besucher wegbleiben?
Laut früherer Veröffentlichungen in der Moz nimmt die Einwohnerzahl Eberswaldes
weiterhin ab. Mit einer "Dreckschleuder", die die Lebenserwartung der
Menschen im näheren und mittleren Umkreis um durchschnittlich 2 Jahre
verringert und Krankheiten wie z.B. Krebs und Herz-Lungen-Krankheiten fördert,
wird dieser Trend sicher nicht aufgehalten.
Das eigene Haus wird oft auch als "Rente aus Stein" bezeichnet.
Mancher will bis ans Lebensende darin leben. Andere könnten sich auch den
Gedanken vorstellen, es irgendwann zu verkaufen und vom Erlös einen schönen
Lebensabend zu verbringen.
Was aber, wenn es für das Haus nicht mehr viel gibt, weil jeder investierte
Euro nur noch 50 Cent wert ist, oder es niemand kaufen will weil die Nähe zu
einer Müllverbrennungsanlage und die LKW-Geschwader den Lärm- und Abgaspegel
von Montag bis Sonntag hoch halten? Von Feinstäuben und schon jetzt
auftretenden Metallstäuben erst gar nicht zu reden.
Beruhigen können sich dann diejenigen, die sich dem Glauben an Steuereinnahmen
und an die Schaffung von "zusätzlichen" Arbeitsplätzen hingeben
wollen.
Ich lege den verantwortlichen Politikern 3 Gedanken ans Herz:
1. Denken Sie vor allen anderen Dingen an die Fehler, die direkt nach der Wende
gemacht wurden. Hier sei zuerst die überdimensionierte Kläranlage in Eberswalde
zu nennen, oder viel zu groß dimensionierte Gewerbeparks. Machen Sie bitte
nicht wieder einen Fehler!
2. Gehen Sie davon aus, dass alles genau so schlimm kommen wird, wie es der
Gutachter Herr Koch auf der Scoping-Veranstaltung dargelegt hat. Hoffnungen wie
"Es wird schon nichts passieren" wären hier ebenso waghalsig, wie
spätabends die alleinige Bewältigung des Heimweges durch ein Vorschulkind. Hier
werden alle Eltern sagen: Da gehe ich kein Risiko ein. Liebe Politiker, gehen
Sie es bitte auch nicht ein!!
3.Bisher mußte das Unternehmen Steil für die Müllentsorgung bezahlen. Falls es
zum Bau der Anlagen kommen sollte, bekommt man dort sogar noch Geld für die
Lagerung, Aufbereitung und schließlich die Verbrennung teilweise hochgiftigen
Materials. Einen Euro nicht ausgeben müssen, statt dessen jeweils einen für die
Müllentsorgung und den verkauften Strom bekommen, heißt unter dem Strich
stehen +2 Euro wo vorher -1 Euro stand. Davon profitiert nur das Unternehmen zu
Lasten der Anwohner in kilometerweiter Entfernung. Der regionale Schaden wird
ganz sicher nicht durch vereinzelte Steuereinnahmen aufgewogen.
Lassen Sie nicht zu, dass den Eberswaldern fremder Müll in den Vorgarten
gekippt wird!
Mfg
Stefan Reckin
Eberswalde