Großfeldversuch unter Praxisbedingungen

Geplante Steil-Anlage in Eberswalde ist Pilotprojekt

Zur Berichterstattung über die Energetische Verwer­tungsanlage (EVA) „Theo Steil":
Kritik an Erstellung der Unterlagen durch das Unternehmen

 

Seit einigen Wochen ist eine große „Funkstille" zum Inves­titionsvorhaben „EVA-Theo Steil" eingetreten. Durch die „Funkstille" sollten wir Bürger, die durch solch eine Verbren­nungsanlage betroffen werden können, uns nicht „einlullen" lassen, sondern alle Aktivitäten, die dort laufen, sehr aufmerk­sam verfolgen. Im Ergebnis des Erörterungstermins wurden der Leitung der Firma im März er­hebliche Nachforderungen und Konkretisierungen ihrer Unter­lagen auferlegt.

Was nun zum Teil öffentlich wird, stimmt ja nun noch be­denklicher als das, was schon zum Erörterungstermin vo- beziehungsweise nicht vor­lag. So wird unter anderem in den nachgereichten Unterlagen zum Kap. 10 („Bodenkund­liche Beurteilung der ober­flächlichen Horizonte im Un­tersuchungsgebiet; Aufnahme von Flora und Fauna"), auf der Grundlage einer 48-stündigen Begehung und Beobachtung, in Form einer „Ansitzbeob­achtung" im März, festgestellt, dass es auf dem Gelände „kei­nerlei Hinweise auf die dauer­hafte oder temporäre Anwesen­heit von seltenen Pflanzen- und Tierarten oder nach dem Natur­schutzrecht geschützte Arten" gibt.

Nun frage ich, was wollten die Herren im März eigentlich feststellen? Die meisten Vö­gel befinden sich höchstens auf dem Rückflug aus ihren Über­winterungsregionen und die Fledermäuse halten in der Regel zu dieser Zeit noch ihre wohl­verdiente Winterruhe. Gleiches gilt für Insekten und Pflanzen. Der natürliche Lebensrhythmus setzt zu dieser Zeit erst ein. Was wollten die Herren „Beobachter" zu dieser Zeit nun wirklich beobachten - etwa wie im „Er­gebnis Nichts"?

Ich sage nur, eine solche Aus­sage ist geradezu hanebüchen. Übrigens, im unmittelbaren Gelände befindet sich auch ein geschütztes Winterquartier für Fledermäuse.

Eine weitere „Ergänzungs­unterlage" halte ich persön­lich für sehr, sehr hinterfragenswert. So wurde erwartet, dass die Werte der unter Labor­bedingungen durchgeführten Testverbrennung, des vorgese­henen Verbrennungsmaterials, offen gelegt werden. Nun kön­nen wir aber nachlesen, dass in dieser Versuchsanlage das Ma­terial bei einer Prozesstempera­tur von 1100 Grad Celsius ver­brannt wurde. In der geplanten Anlage „Theo Steil" soll der „Energetische Ersatzbrenn­stoff" aber nur mit einer Pro­zesstemperatur von 850 Grad Celsius verbrannt werden. Aus diesen Temperaturunterschie­den ist doch schon erkennbar, dass das Abbrennverhalten in beiden Kesseln kaum vergleich­bar ist und damit auch die Rest­stoffe (Rostasche, Filterstaub, Abrauchgase) nicht vergleich­bar sind.

Beide aufgezeigten Sachver­halte lassen durchaus die Fra­ge zu - für wie dumm werden wir „Ossis" eigentlich gehal­ten - was soll denn dieser gan­ze Schwindel?

Ich bleibe dabei, bei der vor­gesehenen Anlage in Ebers­walde handelt es sich um ei­ne „Pilotanlage", da es bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt für die Verwertung dieses speziel­len Ersatzbrennstoffes keine vergleichbare Anlage gibt. Hier soll in einem „Großfeldver­such" unter Praxisbedingungen eine Großverbrennungsanlage errichtet und auch betrieben werden.

Wenn ich jetzt schon se­he, mit wie viel Arroganz und Oberflächlichkeit die Leitungs­kräfte der Firma „Theo Steil" bei der Erstellung der Unterla­gen arbeiten, dann möchte ich mir gar nicht erst vorstellen, wie dann der Praxisbetrieb lau­fen kann.

 

Reimer Loose, Eberswalde