Mein „Nein“ zum geplanten Standort der
Müllverbrennungsanlage
Die zentrale
Abfallentsorgung mit ständig steigendem Aufkommen ist ebenso eine Folge der
Zivilisationsentwicklung, wie sie Gegenstand der permanenten Auseinandersetzung
mit diesem Problem aus ökologischer Sicht war und ist. Bis heute ist keine
Abfallbeseitigungsmethode bekannt, die völlig ohne schädigende Einflüsse auf
die Umwelt bleibt. Dies trifft zweifelsfrei auch und besonders für die Abfall-
oder Müllverbrennung zu. Eine Reihe von Studien haben auf die möglichen
gesundheitlichen Gefahren für die Menschen bei der Anwendung des Verfahrens der
Müllverbrennung hingewiesen, die neben der nachhaltigen Schadwirkung auf die
Tier- und Pflanzenwelt von überragender Bedeutung sind.
Es muss also festgestellt
werden, dass es eine völlig risikolose Abfallbeseitigung auch in der nahen
Zukunft nicht geben wird und die angewendeten Methoden immer einen Kompromiß
zwischen dem Machbaren und dem Notwendigen darstellen.
Die Müllverbrennung stellt heute ein Konzept
dar, dass vom Grundsatz die anfallende Abfallmenge reduziert und somit eine
geringere Deponiefläche erfordert. Ein völliger Ausstieg aus der
Müllverbrennung und die Einführung einer vernünftigen Abfallwirtschaftspolitik,
basierend auf Müllvermeidung, Wiederverwertung und Recycling sind
erstrebenswerte Alternativen, aber gegenwärtig auch unter der Wirkung des gültigen
Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes
nicht realistisch.
Was ist also zu tun?
Es ist ein Kompromiß zu finden, der durch das Primat der Ökologie und nicht der
Ökonomie bestimmt wird.
Also ist meine
Meinung hierzu: Müllverbrennung „Ja“, aber mit einem ökologisch vertretbaren
und minimiertem gesundheitlichen Risiko.
Wenn man den
geplanten Standort der Eberswalder Verbrennungsanlage betrachten, ist ein
derartiger Kompromiß nicht gefunden worden. Zur Begründung dieser Feststellung
soll nur ein Fakt herangezogen werden: Bei allen negativen Entwicklungen der
Nachwendezeit durch das Wegbrechen der Industrie in unserer Stadt gibt es aber
auch eine positive Begleiterscheinung, nämlich dass die Umweltbelastung in
unsere Region erheblich gesunken ist. Jedem Eberswalder „Talbewohner“ ist
sicher noch die Tatsache der stinkenden und sicher toxischen Emissionen der
Chemischen Fabrik in Erinnerung, wie sie bei Inversionswetterlagen, d.h. wenn
der Smog nicht aus dem Kessel abziehen konnte, besonders spürbar waren. Man
stelle sich also die komplexen, giftigen Schadstoffansammlungen vor, die sich
bei solchen klimatischen Bedingungen aus dem heutigen viel höheren
Verkehrsaufkommen in der Stadt (Autoabgase), der immer vorhandenen
Grundemmission aus Wärmeanlagen und einer zusätzlicher Emission aus der
Müllverbrennung in dem geplanten Umfang entstehen wird.
Aus diesen
Überlegungen resultiert mein klares „Nein“ zu einer Müllverbrennungsanlage an
dem vorgesehenen Standort. Ich fordere eine vorangestellte Machbarkeitsstudie
zu möglichen Standorten in der Region unter der Beachtung aller ökologischen
Gesichtspunkte. Da diese Studie überregionale Bedeutung besitzen wird, ist es
sicher nicht nur eine Angelegenheit der Stadt Eberswalde, sondern der ganzen
Region, besonders des Kreises Barnim und des Verbundes Barnim-Uckermark.
Dr.habil. Jürgen
Stolpe, Eberswalde
29.11.2006