Mikrobiologische Belastung durch Transport und Lagerung von Müll

 

 

Bei der geplanten Müllverbrennungsanlage (MVA) in Eberswalde sollen mindestens 90.000 t/Jahr Industriemüll transportiert, geschreddert, sortiert und gelagert werden.

5000 t Müll müssen zur Gewährleistung  der ununterbrochenen Feuerung ständig vorrätig sein.

Durch den offenen Transport und offene Lagerung ist die Voraussetzung (Feuchtigkeit und Wärme) für eine explosionsartige Vermehrung von Mikroorganismen wie Bakterien, Actinimyceten, Basidiomyceten, Hefen und Schimmelpilzen gegben.

Durch Wind und/oder Bewegung des Mülls gelangen diese Mikroorganismen in die Luft und können so kilometerweit verbreitet werden.

Dadurch sind nicht nur die Mitarbeiter der Fa. Theo Steil extrem belastet, sondern auch die Anwohner in der näheren und weiteren Umgebung.

Auswirkungen dieser Mikroorganismen auf die Gesundheit des Menschen sind in vielen Publikationen beschrieben. Einige wenige Ausschnitte aus zwei Veröffentlichungen sind nachfolgend zitiert.

 

Dagmar Grätsch / Lichterfelde

03.12.2006

 

Schimmelpilze können sich auf verschiedene Weise gesundheitlich auswirken:
Quelle: “BERICHTE” vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg vom 14.12.2001

allergene Wirkung:
Der Dosis-Wirkungszusammenhang ist in diesem Falle sehr komplex (siehe TRGS 907). Er hängt u. a. von der individuellen Prädisposition sowie vom allergenen Potential der Schimmelpilzsporen ab. Bei Sensibilisierungen richtet sich das Auf­treten allergischer Reaktionen nach dem Grad der Sensibilisierung, der Memb­ranfunktion von Haut und Schleimhäuten und der Allergendosis pro Fläche. Mittels der heutigen Nachweisverfahren wurden bei etwa 5 % der Bevölkerung der BRD eine Sensibilisierung gegen Schimmelpilze mit zunehmender Tendenz nachgewiesen.

toxische Wirkung
Die Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen (z. B. den Mykotoxinen), sowie die Zellwandbestandteile (Glukane) wirken toxisch. Als immuntoxische Wirkung ist auch die Freisetzung von Interleukinen und sonstigen Entzündungsmediatoren in Haut und Schleimhäuten bei Schimmelpilzeinwirkung zu sehen.

infektiöse Wirkung
Die infektiöseWirkung spielt vor allem bei immungeschwächten Menschen eine  Rolle.                  

Geruchsbelästigung:
Sie kann die Lebensqualität beträchtlich beeinflussen. Gerüche können ausser von Schimmelpilzen auch von Bakterien oder VOC-Emittenten verursacht werden.

 
Die Ausprägung der toxischen und allergenen Wirkungen u.a. durch Mykotoxine ist sehr stark von der Art der Schimmelpilze (Spezies) und von der aufgenommenen Gesamtmenge abhängig.

Exkurs: Bakterien
Es kann vorkommen, dass in sehr feuchten Materialien keine auffälligen Mengen oder Arten an Pilzen nachweisbar sind, wohl aber hohe Mengen an Bakterien.
Nach neueren Erkenntnissen muss davon ausgegangen werden, dass auch das ver­stärkte Vorkommen bestimmter Bakterien zu gesundheitlichen Beschwerden führen kann.
Die gesundheitliche Gefährdung kann u.a. durch die von gramnegativen Bakterien stammenden Endotoxine, durch antibiotische Stoffe (vermutlich in der Hauptsache produziert von Actinomyceten) sowie vermutlich auch durch pathogene Bakterien verursacht sein.

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Wirkungen von Schimmelpilzen auf den Menschen

Quelle: SCHIMMELPILZ – LEITFADEN vom Umweltbundesamt Berlin 2002

Zahlreiche epidemiologische Studien zu gesundheitlichen Auswirkungen durch Schimmelpilze belegen einen Zusammenhang zwischen einer Exposition der Normalbevölkerung gegenüber luftgetragenen mikrobiologischen Stoffen in der Umwelt ... und Atemwegsbeschwerden.
Bei sehr hohen Schimmelpilzkonzentrationen, wie sie an belasteten Arbeitsplätzen auftreten können, wurden in neueren epidemiologischen Studien Dosis-Wirkungsbeziehungen zwischen der Konzentration an Schimmelpilzen in der Luft und gesundheitlichen Auswirkungen gefunden.

Schimmelpilze sind in der Lage, allergische Reaktionen auszulösen.
Eine der möglichen gesundheitlichen Reak­tionen des Körpers auf eine erhöhte Schimmelpilzkonzentration ... ist das Auftreten von Allergien, die durch Einatmen von Sporen ausgelöst werden. Es wird an­genommen, dass grundsätzlich alle Schim­melpilze in der Lage sind, bei empfäng­lichen Personen allergische Reaktionen auszulösen.

Bei Allergien setzt sich das Immunsystem des Körpers nicht gegen gefährliche Fremd­stoffe (z.B. Krankheitserreger) sondern fälschlicherweise gegen an sich harmlose Fremdstoffe (wie z.B. Pollen, Bestandteile von Lebensmitteln) zur Wehr. Beim ersten Kontakt mit dem Fremdstoff (Antigen) tritt noch keine allergische Reaktion ein, son­dern der Körper bereitet sich durch die Pro­duktion von Abwehrstoffen (Antikörpern) auf die Bekämpfung des Fremdstoffes vor. Man bezeichnet eine solche Person als „sensibi­lisiert". Erst bei erneutem Kontakt mit dem Fremdstoff kann es dann zu allergischen Er­scheinungen kommen, bei denen eine ganze Kette von Reaktionen im Körper ab­läuft, an deren Ende die typischen Sympto­me allergischer Reaktionen, wie Schnupfen, Niesen, gerötete Augen, Hautausschlag etc. stehen.

In der Normalbevölkerung sind Allergien häufig. Ein Teil davon (genaue Angaben über die Höhe sind in der Literatur strittig) wird auf Schimmelpilze zurückgeführt. Oft wird aber eine Schimmelpilzallergie nicht erkannt, da es erst für einige wenige Schimmelpilze Extrakte für die Allergietestung gibt.

Zu den allergischen Symptomen, die durch Schimmelpilze ausgelöst werden, zählen z.B. Rhinitis, Asthma und allergische Alveolitis.

Reizende und toxische Wirkungen
Reizende und toxische Wirkungen von Schimmelpilzen wurden bisher – fast ausschließlich – an belasteten Arbeitsplätzen mit hohen Schimmelpilzkonzentrationen nachgewiesen.
Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch Fieber, grippeartige Symptome und Erschöpfungszustände sowie teilweise auch Haut- und Schleimhautreizungen. Die Reaktionerfolgt innerhalb weniger Stunden nach der Exposition.
Die Krankheitsbilder werden unter den Begriffen Drescher-, Getreide- bzw. Mühlenfieber beschrieben.