Bürgerinitiative tauscht Transparente in Lichterfelde aus
Bürgermeister bezeichnet neue Plakate gegen Sondermüllverbrennungsanlage im Ort zufrieden als Kompromiss

Lichterfelde (moz) Der Kompromiss ist seit der vergangenen Woche sichtbar. Zwei der drei Steil-Plakate in Lichterfelde hat die Bürgerinitiative für eine gesunde Umwelt Schorfheide 
(BI-S) nun ausgetauscht. Eine der neuen Plakataufschriften heißt jetzt: „Seit 2006 Kampf gegen Sondermüllverbrennung! Wir bleiben wachsam!“ Vorher klang die Kampfansage unversöhnlicher: „Müllverbrennung Steil – 14 267 x Nein. Landesregierung sagt Ja.“.

Den neuen Wortlaut kann Bürgermeister Uwe Schoknecht gutheißen. „Es war der Kompromiss, neue Plakate auszuhängen“, nimmt Schoknecht Bezug auf ein Gespräch mit der Bürgerinitiative und dem Ortsbeirat im Herbst vorigen Jahres. Vorangegangen war eine öffentliche Empfehlung des Rathauschefs vor der versammelten Gemeindevertretung, die Plakate ganz und gar zu entfernen. Schoknecht fürchtete um das Image des zweitgrößten Schorfheider Ortsteils. Anders als in den meisten anderen Ortsteilen, wo der Bürgermeister seit April steigende Einwohnerzahlen vermelden konnte, gingen die Zahl der Einwohner in Lichterfelde zurück, fielen mit 1938 Einwohnern sogar erstmals unter die 2000er-Grenze. „Wer vorbeifährt, denkt doch: Das ist ein schlimmer Ort“, sagte Schoknecht eingedenk der Außenwirkung der Plakate.

Für die Lichterfelder selbst lag die Sache nicht so klar. Der Ortsbeirat diskutierte unter anderem das geringe Wohnungsangebot als einen möglichen Grund für den Einwohnerschwund.

Auch Bauamtsleiterin Manuela Brandt hatte sich dafür ausgesprochen, die Aushänge „als Erfolg zu formulieren“. Zwar kämen auch andere Ursachen infrage, so Brandt. „Aber wir hatten zwei, drei Beispiele, wo wir wussten: Die Leute haben sich ihre Grundstücke deshalb anderswo gesucht.“

„Warmhalten“ nennt Vereinsvorsitzender Eberhard Thiele das aktuelle Vorgehen des Vereins. „Damit die Leute wissen, dass es uns noch gibt.“ Dass die Aushänge Zuzug verhindern, kann Thiele sich jedoch nicht vorstellen. „Nein, die Leute ziehen nicht her, weil es hier permanente Umweltbelastungen gibt“, verweist er auf die Altanlage der Firma. Lärm und auch Gestank – „nach altem Eisen, Metallstaub“, würden die Lichterfelder beklagen. Deshalb entspreche das zweite der neuen Plakate dem Anliegen der Bürgerinitiative, „dass die Altanlage unter Kontrolle bleibt“, auch mehr als das bisherige. Am Bürgerbüro hieß es früher: „Lichterfelde feiert, wenn Steils Sondermüllverbrennungsanlage stirbt.“ Ob die neue Variante im Einvernehmen mit der Gemeindeverwaltung steht, ist allerdings noch fraglich.

Ein drittes Plakat am Ortseingang ist geblieben, das Auswechseln bezeichnet Thiele auch als Frage des Geldes. 1000 Euro netto habe die BI-S dafür gezahlt.

„Auf alle Fälle gibt es keinen Dissenz mit der BI-S“, hält Bürgermeister Uwe Schoknecht fest. So wie die 2008 erhobene Klage der Bürgerinitiative gegen die Müllverbrennungsanlage liegt auch die der Gemeinde derzeit auf Eis. Den Beginn der mündlichen Verhandlungen hatte das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) vor kurzem frühestens für das vierte Quartal 2011 in Aussicht gestellt.

MOZ-Artikel vom 15.02.2011
Red. Eberswalde Frau Ellen Werner