Von Hans Still
Kreis Barnim (MOZ) Die Firma Theo Steil hat beim Landesumweltamt Frankfurt (Oder) den Bau einer Müllverbrennungsanlage beantragt. "Seit Mittwoch liegen die Akten vor", bestätigte gestern Klaus Gondert, Geschäftsführer der Steil GmbH bei einem Treffen mit Vertretern der hiesigen Verwaltungen und der Politik.
Erstmals äußerten sich die Steil-Manager vor der Öffentlichkeit zu ihren Investitionsplänen. Möglich wurde dieser Termin durch Vermittlung des Barnimer Wirtschaftsdezernenten Carsten Bockhardt (CDU). "Die Öffentlichkeit ist zu Recht besorgt. Deshalb ist es dringend nötig, Informationen an die Bürger zu bringen", rechtfertigte Bockhardt die Runde, zu der auch die Presse zugelassen wurde. Zudem lud er zum Sonderausschuss des Kreises am 21. November ein, dort sollen ebenfalls über die geplante Anlage informiert werden.
Erste Neuigkeit: Das Prüfverfahren ist eröffnet, es wird nach Erwartungen der Steil-Manager bis zur Jahresmitte 2007 dauern. Sollte das Landesumweltamt die Anlage mit einem Jahresdurchsatz von 90 000 Tonnen Material genehmigen, will die Firma innerhalb von 18 Monaten die Müllverbrennung errichten. Bis zu 35 Millionen Euro würde die Anlage kosten, Steil-Geschäftsführer Klaus Gondert rechnet mit einer 15-prozentigen Förderung des Landes. Konzipiert sind die Anlagen für maximal 15 Arbeitsplätze. Holz, Papier, Kunst- und Schaumstoffe sowie Gummi sollen verbrannt werden, um daraus Energie und Dampf zu gewinnen. Steil verbraucht zehn Prozent des Eberswalder Energiebedarfs, mit der Anlage könnten somit die eigenen Fixkosten gesenkt werden.
Zweite Neuigkeit: Die Steil-Manager haben offenbar auf die Kritik der Bürger reagiert und den Untersuchungsraum erweitert. Der umfasst nunmehr einen 2,5 Kilometer großen Radius - Lichterfelde gehört damit vollständig dazu. Anhand von Emissionsprognosen wurde deutlich: Zwischen 1000 und 1500 Metern Entfernung zur Anlage besteht die höchste Belastung. Allerdings gaben sich die Manager sowie ein für das Genehmigungsverfahren zuständiger Fachmann größte Mühe zu belegen, wie gering diese Belastung ausfallen werde. "Stickoxide und Schwefeldioxid, Blei und Cadmium oder auch der Staubniederschlag, alles bleibt deutlich unter drei Prozent der Schutzwerte und ist damit, weil zu gering, irrelevant", so Jörg Siebert vom Dürener Büro Probiotec.
Eingegangen wurde auch auf die Reinigungstechnik der geplanten Anlage. So
soll eine erste Reinigungsstufe im Feuerungsraum platziert sein. Anschließend
folgen vier weitere Stufen der Reinigung, es werde mit Wasser gesprüht,
Kalkhydrat eingebracht und Koks eingesetzt. "Wir bringen keinen Kleinwagen,
sondern einen Mercedes nach Eberswalde", so Geschäftsführer Gondert auf
MOZ-Nachfrage. Das Unternehmen nehme sechs bis acht Millionen Euro Mehrkosten für
die Reinigung der Rauchgase in die Hand und erfülle alle Normen. Trotzdem
fallen noch 8700 Tonnen Rauchgasrückstände an.
Donnerstag, 16. November 2006