Von Hans Still
Eberswalde (MOZ) Landrat Bodo Ihrke (SPD) hat seine Mitarbeiter gegen den Vorwurf in Schutz genommen, sie hätten zu spät über den beabsichtigten Bau einer Müllverbrennungsanlage informiert. Zugleich fordert Ihrke die Beschäftigten auf, sensibler zu agieren. Eberswaldes Baudezernent Gunther Prüger und Kämmerer Uwe Birk bestätigten im Namen der Stadt, dass sie der Ansiedlung ohne Vorurteile gegenüber stehen würden. Am 16. November kommt es in Eberswalde zu einem Spitzentreffen mit der Geschäftsführung der Firma Theo Steil aus Trier.
Die geplante Müllverbrennungsanlage der Firma Theo Steil bestimmt mehr und mehr die Diskussionen in der Stadt. 80 000 Tonnen Müll will die Firma im Jahr verbrennen, um daraus Strom zu gewinnen - auf dem Marktplatz, in Ausschüssen, in den Verwaltungen wird darüber gestritten. Landrat Ihrke bezog dazu Stellung, nachdem der Umweltausschuss massive Kritik an der Informationspolitik der Verwaltung geübt hatte. Ihrke nahm seine Mitarbeiter in Schutz, signalisierte aber zugleich, dass er sich mehr Sensibilität bei brisanten Themen wünsche. "Das soll keine Kritik sein", beharrte er und sagte weiter: "Angesichts der Brisanz dieses Themas verstehe ich sehr wohl die Emotionen. Die Mitarbeiter sind aufgefordert worden, bei ihrer Arbeit besondere Sensibilität walten zu lassen. Abgeordnete haben die Pflicht, sich kritisch einzubringen. Sie müssen Fragen der Bürger beantworten, da kommt schnell mal das Gefühl auf, nicht rechtzeitig informiert worden zu sein.
Das eigentliche Genehmigungsverfahren befindet sich noch im Anfangsstadium. Der Kreis sei einer der Träger öffentlicher Belange, das Verfahren führt das in Frankfurt (Oder) ansässige Landesumweltamt (LUA). Bekannt wurde nun, dass nicht nur die Gemeinde Schorfheide beim Erörterungstermin im Juni des Jahres übergangen wurde, auch das Amt Britz-Chorin hatte keine Einladung erhalten. "Wir wurden ebenfalls nicht eingeladen und sind darüber alles andere als glücklich. Ich sehe durchaus Betroffenheit, vor allem für die Gemeinde Britz. Bei ungünstigem Wind gehen die Emissionen in unsere Richtung", sagte Amtsdirektor Rainer Schneider der MOZ. Prekär könnte die Situation später für das Britzer Fleischwerk werden. Dort werden unter anderem Produkte für das Ökodorf Brodowin hergestellt.
In Eberswalde kommt es am Donnerstag zu einem Spitzen-treffen der Verwaltungen mit den Managern der Firma Theo Steil. Der Eberswalder Niederlassungsleiter wird dabei sein, aus Trier wird Hauptgeschäftsführer Johannes Gondert erwartet. Eingeladen sind dazu bislang Wirtschaftsdezernent Carsten Bockhardt, seine Amtsleiter Wilhelm Benfer, der Eberswalder Kämmerer Uwe Birk, Baudezernent Gunter Prüger und der Schorfheider Bürgermeister Uwe Schoknecht. Ziel des behördeninternen Treffens sei es, sich durch die Geschäftsführung umfassend informieren zu lassen.
Prüger und Birk sagten gegenüber der MOZ, sie stünden den Plänen des Unternehmens "ohne negative Vorurteile" gegenüber. "Die Fläche ist als Industriefläche geplant, eine Müllverbrennung wäre also nicht von vornherein undenkbar", so Prüger. Und Birk: "Natürlich müssen wir prüfen, was genau der Investor beabsichtigt und was am Ende aus dem Schornstein kommt. Wir nehmen die Reaktionen der Bürger sehr ernst, würden aber einen Fehler machen, wenn wir in Unkenntnis der Dinge eine negative Haltung einnehmen. Schließlich geht es auch um Steuern und Arbeitsplätze."