Von Michael Dietrich
Schorfheide (MOZ) Fast 100 Bürger haben auf der Sitzung der Gemeinde ihren Protest gegen die geplante Müllverbrennungsanlage der Firma Theo Steil in Eberswalde zum Ausdruck gebracht. Sie forderten, den Bau der Anlage zu verhindern.
"Uns ist ja bewusst, dass es in Lichterfelde große Befürchtungen gibt", fasste Lichterfeldes Ortsbürgermeister und Vorsitzender der Gemeindevertretung, Dietrich Bester, erste Wortmeldungen zum Thema Müllverbrennungsanlage zusammen. Da kam aus dem Publikum der Zwischenruf. "Was heißt hier Befürchtung, es herrscht die pure Angst!"
Einige Lichterfelder mussten die anderthalb Stunden der Bügerfragestunde stehen, so voll war der Saal in Finowfurt. Annähernd 100 Besucher waren gekommen, einige wütend, andere kampfeslustig, viele entsetzt darüber, was wenige hundert Meter vor ihren Häusern entstehen soll. "Hier wird Gift hergekarrt und bei uns verbrannt. Das ist doch purer Sondermüll", macht sich ein junger Mann Luft. Flehend wendet sich Lutz Graupner, 36, an die Gemeindevertreter: "Die Schorfheide hatte sich unter dem Motto ,Gemeinsam sind wir stärker' zusammengeschlossen. Jetzt braucht ein Ortsteil Hilfe. Lassen Sie uns gemeinsam handeln, dass es nicht zu dieser Müllverbrennung kommt." Beifall. "Bis nach Schluft und Klandorf steht die Gemeinde hinter euch!" versprach Albrecht Gläsel aus Groß Schönebeck spontan. Wieder Beifall.
Die Angst vor der nahen Abfallverbrennungsanlage ist groß. Der Ausstoß von Schadstoffen, führen die Bürger an, gefährde alle in der Region. Schorfheider, Eberswalde. Eine Frau meldet sich: "Der krebserregende Feinstaub macht an keiner Gemeindegrenze Halt, er zieht kilometerweit ins Land." Graupner erinnert an Brunnen des Wasserversorgers ZWA, an die Clara-Zetkin-Siedlung, an Finow und das Brandenburgische Viertel, an die Bäckerei Märkisch Edel, die im Radius von 2,5 Kilometer um den Schlot der Verbrennungsanlage liegen. Michael Grünberg: "Die Anlage liegt einen Steinwurf von der Bäckerei entfernt. Wollen wir, dass unsere eigene Nahrung mit Gift bestreut wird?" Manfred Laska erinnert daran, dass die Gemeinde viel Geld für eine besonders gute Kita ausgegeben hat und forderte: "Jetzt ist Zeit, auch B zu sagen. Die Lichterfelder haben Bürgermeister Schoknecht zur Wahl zu 84 Prozent das Vertrauen ausgesprochen. Jetzt erwarten wir, dass er das Problem zur Chefsache macht. Es ist 5 vor 12!"
Die Ärztin Karola Dux spricht aus, was viele denken: "Theo Steil will hier seinen Müll verbrennen, weil wir im Osten das schwächste Glied der Kette sind. Hier macht er, was er will." Schon unter den gegenwärtigen Lärmbelästigungen des Recyclingunternehmens leide sie.
Eberhard Thiele, früher Chef der Schweinemastanlage, rief zum Sturm gegen die Baupläne. "Hier soll aus den Filialen der Firma das verbrannt werden, was so richtig hässlich und gefährlich ist: Schwermetalle, PVC und kontaminiertes Holz. Genau das, was dem Holzkraftwerk versagt wurde. Uns soll eine gewaltige Dreckschleuder vor die Nase gesetzt werden."
Viele Anwesende setzten sich dafür ein, dass die Gemeinde einen Sachverständigen engagiert, um gegen das Vorhaben qualifiziert vorzugehen zu können. Auf Vorschlag des CDU-Abgeordneten Wilfried Bender beschloss die Gemeinde, eine extra Bürgerversammlung zum Thema mit Vertretern der Stadt, der Umweltbehörden und der Firma zu organisieren.