Widerstand gegen Müllverbrennung

Von Michael Dietrich

 

Joachim Punge ist stinksauer. Vor Tagen las er in der MOZ von den Plänen der Firma Theo Steil, eine Müllverbrennungsanlage zu errichten. Das Recyclingunternehmen will am Oder-Havel-Kanal 2007 für 30 Millionen Euro eine Abfallverbrennung bauen. Aus Reststoffen, wie Kunststoff, Lack, Altholz oder Textilien soll Strom produziert werden. Die Anlage würde knapp 900 Meter von Punges Haus in Lichterfelde entstehen. Nun befürchtet der Geschäftsmann, dass Schadstoffe und Lärm der Anlage schon bald seine Gesundheit gefährden, die Lebensqualität mindern und den Wert seines Grundstücks erheblich sinken lassen.

Sein Ortsbürgermeister Dietrich Bester wurde von dem Vorhaben ebenso überrascht. "Die Bürger sind aufgeschreckt. In der Wohnsiedlung an der Walzwerkstraße herrscht richtig Trouble. Die Anwohner beklagen zu Recht, dass sie nicht informiert sind, was dort geplant ist", erklärt Bester.

Das für die Genehmigung der Anlage zuständige Landesumweltamt hatte zur ersten Erörterung des Vorhabens im Juni zu einem Scoping-Termin eingeladen. Von der Stadt Eberswalde erschien kein Vertreter. Die Stadtverwaltung ließ sich entschuldigen. Die Gemeinde Schorfheide wurde erst gar nicht eingeladen.

"Wir hatten keine offiziellen Informationen", ärgert sich Schorfheides Bürgermeister Uwe Schoknecht. Im Nachgang besorgte er sich die Unterlagen und machte grundsätzliche Forderungen auf: "Die Stellungnahme des Kreises zur Anlage ist viel zu harmlos. Wir haben dem Landkreis geschrieben, dass wir schärfere Untersuchungen der möglichen Schäden für Mensch und Umwelt fordern. Wir wollen, dass der Untersuchungsraum auf fünf Kilometer erweitert wird. Die Filter, die vorgesehen sind, erfüllen gerade so die zulässigen Grenzwerte. Es gibt längst bessere Technik. Was uns hier angeboten wird, ist ein Trabant. Wenn schon eine Verbrennungsanlage sein muss, dann fordern wir im Interesse der Gesundheit unserer Bürger selbstverständlich den Mercedes", so Schoknecht. "Unsere Botschaft ist: Wir sind sensibilisiert, wir kümmern uns."

Aus dem Eberswalder Rathaus gibt es bisher keine Meinungsäußerung zur geplanten Müllverbrennungsanlage. Auch keine Information an die Stadtverordneten. Von den Bürgermeisterkandidaten äußerte sich bisher nur Karen Oehler kritisch zu den Bauplänen. Die Bündnisgrünen, die sie als Kandidatin aufgestellt haben, informierten kürzlich auf einer Bürgerveranstaltung über das Vorhaben. Vor rund 80 Zuhörern erläuterte Klaus Koch, Abfallgutachter vom Umweltnetzwerk Hamburg, was die Firma Theo Steil aus Trier in Eberswalde plant und welche Auswirkungen zu erwarten sind.

Koch führte aus, dass von den 60 000 chemischen Verbindungen, die über den Abfall in die Verbrennung gelangen, nur zwölf erfasst und kontrolliert würden. Bekannte und unbekannte Schadstoffe gelangen so in die Umwelt, in Nahrung und über die Atmung in den menschlichen Körper. Neben Schwefeloxid, Feinstaub auch Blei, Cadmium oder das Seveso-Gift PCB. Als mögliche gesundheitliche Auswirkungen nannte Koch erhöhtes Krebsrisiko, Atemwegs- und Herzerkrankungen, Schwächung des Immunsystems und Allergien.

Für großes Interesse sorgte sein Vergleich der beantragten Anlage in Eberswalde mit bestehenden in Bielefeld oder Neumünster. Demnach hat die Firma Theo Steil vor, die Grenzwerte wichtiger Schadstoffe wie Staub, Stickoxid oder Kohlenmonoxid genau laut technischem Grenzwert zu erfüllen. In Neumünster werden diese Werte aber um das 50- bis 70-fache unterschritten. "Die geplante Anlage entspricht nicht dem Stand der Technik. Die geplante Filtertechnik bietet nicht den gebotenen Vorsorgeschutz für die Bevölkerung" so Koch. In der Müllverbrennungsanlage in Bielefeld beispielsweise filtere eine achtstufige Rauchgasreinigung die Schadstoffe heraus. In Eberswalde sind zwei Stufen geplant. Auch in punkto Verkehrs- und Lärmbeeinträchtigung für die Anwohner sieht der Umweltschützer Bedenken. Um die Anlage kontinuierlich zu bestücken, plant Theo Steil 80 000 Tonnen im Jahr zu verbrennen. Dazu muss das Unternehmen Abfall in die Region importieren. Gerechnet wird mit Lkw-Transporten von 350 Tonnen Abfall und 100 Tonnen Verbrennungsrückständen täglich.

Auf der Info-Veranstaltung wurde bekannt, dass eine Bürgerinitiative gegen die Anlage gegründet werden soll. Die Bewohner der Anlage Messingwerkstraße haben jetzt schon mit Nachteilen zu kämpfen. Der Grundstückspreis pro Quadratmeter ist von einst über 80 Euro auf heute 26 Euro gefallen.

Von Michael Dietrich

Joachim Punger ist stinkesauer. Vor Tagen las er in der Zeitung von den Plänen der Firma Theo Steil, eine Müllverbrennungsanlage zu errichten. Das Recyclingunternehmen will 2007 für 30 Millionen Euro eine Abfallverbrennung bauen. Aus Reststoffen wie Kunststoff, Lack, Altholz oder Textilien soll Strom produziert werden. Die Anlage würde knapp 900 Meter von Pungers Haus in Lichterfelde entstehen. Nun befürchtet der Eberswalder Geschäftsmann, dass Schadstoffe und Lärm der Anlage schon bald seine Gesundheit gefährden, die Lebensqualität mindern und den Grundstückswert erheblich sinken lassen.

Sein Ortsbürgermeister Dietrich Bester wurde von dem Vorhaben ebenso überrascht. "Die Bürger sind aufgeschreckt. In der Wohnsiedlung an der Walzwerkstraße herrscht richtig Trubble. Die Anwohner beklagen zu Recht, dass sie nicht informiert sind, was dort geplant ist", erklärt Bester.

Das für die Genehmigung der Anlage zuständige Landesumweltamt hatte zur ersten Erörterung des Vorhabens bereits im Juni zu einem Scoping-Termin eingeladen. Von der eingeladenen Stadt Eberswalde erschien kein Vertreter. Die Verwaltung ließ sich wegen anderer wichtiger Termine entschuldigen. Die Gemeinde Schorfheide wurde erst gar nicht eingeladen.

"Wir hatten keine offiziellen Informationen", ärgert sich Schorfheides Bürgermeister Uwe Schoknecht. Im Nachgang besorgte er sich die Unterlagen und machte grundsätzliche Forderungen auf: "Die Stellungnahme des Kreises zu der Anlage ist viel zu harmlos. Wir haben dem Landkreis geschrieben, dass wir schärfere Untersuchungen der möglichen Schäden für Mensch und Umwelt fordern. Wir wollen, dass der Untersuchungsraum auf fünf Kilometer erweitert wird. Die Filter, die vorgesehen sind, erfüllen nur gerade so die zulässigen Grenzwerte. Es gibt längst bessere Technik. Was uns hier angeboten wird, ist ein Trabant. Wenn schon eine Verbrennungsanlage sein muss, dann fordern wir im Interesse der Gesundheit unserer Bürger selbstverständlich den Mercedes", so Schoknecht.

Aus dem Eberswalder Rathaus gibt es bisher keine Meinungsäußerung zur geplanten Müllverbrennungsanlage. Von den Bürgermeisterkandidaten äußerte sich bisher nur Karen Oehler kritisch dazu. Die Bündnisgrünen, die sie zur Wahl als kandidatin aufgestellt haben, informierten kürzlich auf einer Bürgerveranstaltung über das Vorhaben. Vor rund 80 zuhörern erläuterte Klaus Koch, Abfallgutachter vom Umweltnetzwerk Hamburg, was die Firma Theo Steil aus Trier in Eberswalde plant und welche Auswirkungen zu erwarten sind.

Von den 60 000 chemischen Verbindungen, die über den Abfall in die Verbrennung gelangen, würden durch die Grenzwerte nur zwölf erfasst und kontrolliert. bekannte und unbekannte Schadstoffe gelangen so in die Umwelt, in Nahrung und über die Atmung in den menschlichen Körper. Neben Schwefeloxid, Feinstaub auch Blei oder das Seveso-Gift PCB. Als mögliche gesundheitliche Auswirkungen nannte Koch erhöhtes Krebsrisiko, Atemwegs- und Herzerkrankungen, Schwächung des immunsystems und Allegien.

Für großes Interesse unter den Zuhörern sorgte sein vergleich der beantragten Anlage in Eberswalde mit bereits bestehenden zum Beispiel in Bielefeld oder Neumünster. Demnach hat die firma Theo Steil vor, die Grenzwerte wichtiger Schadstoffe wie Staub, Stickoxid oder Kohlenmonoxid genau laut technischem Grenzwert zu erfüllen. In Neumünster werden diese Werte um das Fünfzigfache unterschritten. "Die geplante Anlage entspricht nicht dem Stand der Technik. Die geplante Filteertechnik bietet nicht den gebotenen Vorsorgeschutz für die Bevölkerung" so Koch. In der Müllverbrennungsanlage in Bielefeld beispielsweise filtere eine achtstufige Rauchgasreinigung die Schadstoffe heraus. In Eberswalde sind zwei Stufen geplant. Auch in punkto Verkehr sieht der Umweltschützer Bedenken. Um die Anlage kontinuierlich zu bestücken, plant Theo Steil 80 000 Tonnen im Jahr zu verbrennen. Das entspricht täglichen Lkw-Transproten von 350 Tonnen Abfall und 100 Tonnen Verbrennungsrückständen.


Donnerstag, 26. Oktober 2006