Firma plant Verbrennung von Abfall

Von Michael Dietrich

Anfang dieser Woche hat die Firma Theo Steil beim Landesumweltamt die Errichtung und den Betrieb einer Abfallverbrennungsanlage in Eberswalde beantragt. "Wir planen auf unserem Firmengelände den Neubau eines Kraftwerks zur Stromerzeugung. Dabei wollen wir in erster Linie Reststoffe aus unserem Recylingprozess sowie hochkalorische Stoffe aus Gewerbe- und Siedlungsabfällen thermisch verwerten und in elektrische Energie umwandeln", bestätigte Steffen Adam, kaufmännischer Betriebsleiter der Firma. Das können zum Beispiel belastetes Altholz, Kunststoff- oder Gummireste ausder Verwertung von Altautos sein oder heizwertreiche Sperrmüllanteile sein. Bei der geplanten Großanlage mit einer Kapazität von 80 000 Tonnen im Jahr handelt es sich um eine genehmigungspflichtige Verbrennungsanlage nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. "Wir können über das Projekt noch nicht viel sagen", erklärte Helmut Geißler, zuständiger Abteilungsleiter im Landesumweltamt. "Wir haben die Antragsunterlagen erst vor drei Tagen bekommen und prüfen diese zunächst auf Vollständigkeit. Das Genehmigungsverfahren ist sehr umfangreich und beinhaltet eine Bürgerbeteiligung sowie die Prüfung der Umweltverträglichkeit. Im Moment ist es noch zu früh, etwas zu dem Vorhaben zu sagen", so Geißler.

Das sehen Bündnis90/Die Grünen anders. Sie haben für den kommenden Montag zu einer Informationsveranstaltung über die Müllverbrennungsanlage eingeladen. "Anderswo würden Pläne zum Bau einer Müllverbrennung sofort Proteststürme der Bevölkerung auslösen. Da hier die Öffentlichkeit nichts von dem Projekt weiß, halten wir es für dringend erforderlich, de Bürger zu informieren, was auf sie zukommt, bevor es zu spät ist", so Torsten Kleinteich von den Bündnisgrünen. "Die geplante Filtertechnik ist nicht Stand der Technik. Beim Verbrennen von Schredderrückständen wie Gummi oder Kunststoff entstehen höchst bedenkliche Schadstoffe", warnt Kleinteich. "Das Mindeste wäre, dass die Bevölkerung mit der besten Filtertechnik geschützt wird, die es momentan gibt. Wir sollten aber auch überlegen, ob so eine Anlage zum Gesundheits- und Tourismusstandort Eberswalde passt", erklärte Bürgermeisterkandidatin Karen Oehler von den Bündnisgrünen.

Die Firma Theo Steil hält diese Bedenken für unbegründet. "Wir würden doch keine Anlage für mehr als 30 Millionen Euro planen, wenn sie die Gesundheit der Bewohner gefährdet und deshalb das Risiko besteht, dass sie irgendwann stillgelegt werden muss", argumentiert der kaufmännische Betriebsleiter Ulrich Wotschke. Seinen Worten zufolge ist der Bau eine Arbeitsplatzsicherung für die Firma. Da die zur Verbrennung vorgesehenen Stoffe nicht mehr deponiert werden dürften, sei das Unternehmen gezwungen, neue Wege zu gehen. "Auch die stark gestiegenen Stromkosten zwingen uns dazu. Mit der Anlage sichern wie 150 Arbeitsplätze im Betrieb und weitere 50 im Umfeld. Zehn bis fünfzehn neue Arbeitsplätze werden wir mit der Anlage schaffen", verspricht Wotschke.

Laut Firma würde die gewählte Technologie der Verbrennungsanlage dem Stand der Technik entsprechen und sogar viele gesetzlich vorgeschriebene Grenzwerte deutlich unterschreiten. "Die Abluft wird sehr aufwändig behandelt, allein die Rauchgasreinigung der Anlage kostet insgesamt acht Millionen Euro", erläutert Steffen Adam. Beide Betriebsleiter waren von der Ankündigung der Bündnisgrünen zur Informationsveranstaltung überrascht, wollen aber ebenfalls daran teilnehmen.

Wenn die Verbrennungsanlage genehmigt wird, soll der Bau im nächsten Jahr beginnen. Ob die Investition öffentlich gefördert wird, ist noch unklar. Die Firma erwägt derzeit, Mittel der Wirtschaftsförderung zu beantragen.

Freitag, den 13. Oktober 2006