Fernsehen Brandenburg-aktuell vom 23.11.2006                RBB-Orginalseite mit Video  

Dicke Luft in Eberswalde

Die Schrott- u. Entsorgungsfirma Theo Steil will auf ihrem Gelände eine Müllverbrennungsanlage bauen. Tausende Tonnen Sperrmüll, belastetes Altholz, Kunststoff- und Gummireste sollen jährlich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Eberswalder Brot- und Feinbackwaren GmbH verstromt werden. Niemand in der Region wusste bisher von diesen Plänen.

Eine Bürgerinitiative regt sich nun. Sie beklagt neben der schlechten Informationspolitik des Landkreises auch, dass die Müllanlage aus Kostengründen nicht nach den neuesten Umweltstandards gebaut werden soll. Nun will sich der Investor schriftlich erklären.

"Schmutz und Dreck könnte in Eberswalde immer an der Tagesordnung sein, wenn die geplante Sondermüllverbrennungsanlage gebaut wird: Was zurzeit nur tristes Herbstwetter ist, fürchten die Eberswalder als Dauerzustand. Erfahren haben die Anwohner von der geplanten Anlage aus der Zeitung. Jetzt haben sie Angst und engagieren sich in einer Bürgerinitiative. Ihr Vorwurf lautet: Die Anlage entspräche aus Kostengründen nicht den neusten Umweltstandards.

Die bundesweite Schrott- und Entsorgungsfirma Theo Steil ist seit 1993 in Eberswalde. Jetzt wird expandiert: 30 Millionen Euro soll die Sondermüllverbrennungsanlage kosten, mit 15 Prozent staatlicher Förderung.

In direkter Nachbarschaft zum Standort der geplanten Anlage produziert die Eberswalder Brot- und Feinbackwaren GmbH. Doch auch mit der Bäckerei hat bisher niemand gesprochen. 170 Arbeitsplätze stehen für Geschäftsführer Christian Kurth auf dem Spiel.

Auch Anwohner werden von der geplanten Anlage unmittelbar betroffen sein, vermutlich darüber hinaus das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Bisher stand die Stadt Eberswalde dem Vorhaben eher positiv gegenüber, in der Hoffnung auf neue Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Mittlerweile sieht aber auch Eberswaldes neuer Bürgermeister Friedhelm Boginski die Angelegenheit anders. Eine Sondersitzung von Wirtschafts- und Umweltausschuss sollte Klarheit bringen. Vertreter von Theo Steil waren eingeladen, hatten aber keine Zeit. Immerhin ist Theo Steil bereit schriftlich auf Fragen zu antworten.

Gegen den täglichen Krach der Schrottfirma Theo Steil hat Anwohner Ulrich Grätsch einfach seine Kopfhörer aufgesetzt. Doch gegen eventuell krebserregenden Feinstaub aus der geplanten Sondermüllverbrennungsanlage helfen sie nicht."


Beitrag von Benjamin Stöwe